Wie wird aus „Rasenpflege“ echter Naturschutz?
Nicht jede Grünfläche muss überall gleich aussehen. Manche Bereiche können mehr sein als regelmäßig gemähter „Rasen“. Sie können Lebensräume für Wildbienen, Schmetterlinge, Kleinsäuger und Vögel werden, das Ortsklima verbessern, das Ortsbild bereichern und neue Sehgewohnheiten etablieren.
Genau hier setzt unser Modellprojekt zum Natürlichen Klimaschutz in Arzberg - einer ländlichen Kommune in Sachsen - an. Es ist ein Teilprojekt aus dem größeren Modellvorhaben TABS in Nordsachsen, mit dem Ziel Klimaschutz, Naturschutz und menschliche Bedürfnisse gut zu verschneiden.
Derzeit wird der Ausgangszustand der kommunal gepflegten Grünflächen in vier Ortsteilen beispielhaft erfasst. Dabei geht es nicht nur um die Größe der Flächen, sondern um einen genauen Blick auf ihre Eigenschaften: Wie ist der Boden aufgebaut? Wie nährstoffreich oder trocken ist er? Welche Pflanzen wachsen bereits dort? Wie werden die Flächen heute genutzt und gepflegt – und welche Ansprüche haben Anwohnende und Nutzende an ihr Wohnumfeld? Welche besonderen Tier- und Pflanzenarten könnten von einer Umstellung in der Umgebung profitieren?
Ein besonderes Augenmerk gilt den Flächen, die oft seit Jahrzehnten nach festen Routinen gepflegt werden – etwa dem Straßenbegleitgrün und „Rasen“ – Flächen ohne konkrete Nutzung. Hier steckt viel Potenzial für mehr biologische Vielfalt, ohne den Pflegeaufwand unnötig zu erhöhen.
Ab Herbst werden die Flächen hinsichtlich ihrer Bedeutung für biologische Vielfalt, natürlichen Klimaschutz und Lebensqualität bewertet. Daraus entsteht ein praxistaugliches Pflegekonzept, welches sich an den Möglichkeiten der Gemeinde und ihres Bauhofs orientiert.
Oft sind es schon gezielte Anpassungen, die viel bewirken: ein oder zwei Mahddurchgänge statt häufiger Mahd, angepasste Mähzeitpunkte, das Abräumen des Mahdguts, Staffelmahd, höhere Schnitthöhen oder der Einsatz tierschonender Mähtechnik. Wo es sinnvoll ist, können Blühinseln erhalten, artenreiche Flächen durch Mahdgutübertragung entwickelt, regionales Saatgut eingebracht oder attraktive Wild-Staudenpflanzungen angelegt werden.
Das Konzept wird ein Jahr lang erprobt und nachjustiert. Am Ende zielen wir auf einen gut umsetzbaren Weg für die Gemeinde mit ihren Grünflächen im Sinne von Klima- und Naturschutz umzugehen, der durch die Anwohnenden angenommen und mitgetragen wird und Lust aufs Nachahmen macht.
Gefördertes Projekt der ANK-NK für Kommunen im ländlichen Raum
Bild zur Meldung: gemeinsame Analyse mit den Kollegen des Bauhofes
Fotoserien
TABS Arzberg (07.09.2026)
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